Der abgeschlossene Kurzroman | Grenzgänger

von Rudi Reiher
(aus: „Hoblschoaten“ 2010, MGV Brixen)

Die Gruppe war schon an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen. Keuchend schleppten sich die Wanderer am Waldweg voran. „Herr Bergführer“, ächzte der Salewa-strotzende Wanderer mit dem nagelneuen Steinschlaghelm. „Miar hobm gsågg, dass merr du sågn, in die Perg“, maßregelte ihn der vorausschreitende Prachtkerl und fügte an: „wåss isch denn?“ Der Wanderer schnappte nach Luft und fragte dann: „Wie merkt man es eigentlich, wenn man als Wanderer Südtirol verlassen hat?“

Der Bergführer runzelte die Stirn. Hatte er beim letzten Bergführer-Upgrading-Kurs nicht aufgepasst? Er dachte eine Weile nach. Plötzlich hellte sich sein beim Nachdenken stets zur Finsternis neigendes Gesicht etwas auf. Er stellte sich vor seinem Gast auf und dozierte: „Du pisch nimmer in Sittirol, wenn Du mehr als oan Haus siggsch und derneben koan Feierwehrhalle und koan Vereinshaus schteat.“

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