Archive for Januar 2010

Apps wohin man blickt | Verblödung mit Methode?

Kittihawk, SPIEGEL online/SPAM

Lebenshilfe aus dem Web | Geat shun weiß, was gut gegen Streß ist

Geat shun ist Südtirols absolut beste Lebenshilfe-Website. Die Geat shun-Jünger wissen Rat in allen Lebenslagen, von Fragen der Gesundheit und des Liebeslebens bis hin zum Erfolg im Geschäft – wobei sie wohl in erster Linie an ihren eigenen Geschäftserfolg denken, die Schlingel.

Ein Renner dürfte die im Onlineshop von Geat shun erhältliche Anti-Stress-Uhr sein, die ich für eine nachgerade geniale Erfindung halte. Es gibt sie in zwei Versionen. Version eins ist für stark Stressgeschädigte, Version zwei für jene, die bisher als unheilbar galten.

Anton Adlers Leser sollen es einmal besser haben. Deshalb verraten wir hier, wie man zur ultimativen Stresslösung mit Hilfe der Geat-Shun-Antistress-Uhr gelangt.

Es geht ganz einfach: Hier klicken!

Oder hier, wenn’s beliebt:

Andere mögen Kriege führen! Du, glückliches Südtirol …

Wenn man Nicht-SüdtirolerInnen nach den zentralen Merkmalen südtirolischer Befindlichkeit fragt, kommt man auf Attribute wie lustig, unbeschwert, gesund, lederhosig, dienstfertig, originell, wildsauskifahrend, trinkfest, naturverbunden.

Das ist die Schönwetterseite der SüdtirolerInnen die beim Herannahen von Touristen hervorgekehrt wird, vor allem wenn diese den Anschein erwecken, Geld loswerden zu wollen. Der Südtiroler, die Südtirolerin: sie wissen, welches Verhalten geschäftsfördernd ist und welches nicht.


So sieht man die (Süd)Tiroler gern! Doch sie haben bei aller Trinkfestigkeit auch Verantwortungsbewusstsein. Auf dem Foto schwer erkennbar: Die Warnhinweise der italienischen Trinkervereinigung (chi beve birra, va lontano)

Und, sie haben erkannt: Die Zeit ist wohl nicht mehr danach, unter Hinweis auf volksgrüpplichen Todesmarsch, Piesackung durch römisch-unkatholische Faschisten, die hundsgemeinen Bocksprünge der Geschichte und die Durchtrennung historisch-kultureller Nabelschnüre stille aber erklecklich sprießende Einnahmen zu schaffen. Im Land des Gastarbeiterschweinsspecks und des Magdaleners ist – SMG sei Lob, Dank und Steuergeld! – verstanden worden, dass das bizarr-schrullige Anderssein der SüdtirolerInnen hüben wie drüben wie unten als Bestimmungsgrund lukrativer touristischer Nachfrage eine gute Einkommensgrundlage darstellt.

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Joachim Ringelnatz: Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforcemonument

Guten Abend, schöne Unbekannte! Es ist nachts halb zehn.
Würden Sie liebenswürdigerweise mit mir schlafen gehn?
Wer ich bin? – Sie meinen, wie ich heiße?

Liebes Kind, ich werde Sie belügen,
Denn ich schenke dir drei Pfund.
Denn ich küsse niemals auf den Mund.
Von uns beiden bin ich der Gescheite.
Doch du darfst mich um drei weitre
Pfund betrügen.

Glaube mir, liebes Kind:
Wenn man einmal in Sansibar
Und in Tirol und im Gefängnis und in Kalkutta war,
Dann merkt man erst, daß man nicht weiß, wie sonderbar
Die Menschen sind.

Deine Ehre, zum Beispiel, ist nicht dasselbe
Wie bei Peter dem Großen L’honneur. –
Übrigens war ich – (Schenk mir das gelbe
Band!) – in Altona an der Elbe
Schaufensterdekorateur. –

Hast du das Tuten gehört?
Das ist Wilson Line.
Wie? Ich sei angetrunken? O nein, nein! Nein!
Ich bin völlig besoffen und hundsgefährlich geistesgestört.
Aber sechs Pfund sind immer ein Risiko wert.

Wie du mißtrauisch neben mir gehst!
Wart nur, ich erzähle dir schnurrige Sachen.
Ich weiß: Du wirst lachen.
Ich weiß: Daß sie dich auch traurig machen.
Obwohl du sie gar nicht verstehst.

Und auch ich –
Du wirst mir vertrauen, – später, in Hose und Hemd.
Mädchen wie du haben mir immer vertraut.

Ich bin etwas schief ins Leben gebaut.
Wo mir alles rätselvoll ist und fremd,
Da wohnt meine Mutter. – Quatsch! Ich bitte dich: Sei recht laut!

Ich bin eine alte Kommode.
Oft mit Tinte oder Rotwein begossen;
Manchmal mit Fußtritten geschlossen.
Der wird kichern, der nach meinem Tode
Mein Geheimfach entdeckt. –
Ach Kind, wenn du ahntest, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt!

Das ist nun kein richtiger Scherz.
Ich bin auch nicht richtig froh.
Ich habe auch kein richtiges Herz.
Ich bin nur ein kleiner, unanständiger Schalk.
Mein richtiges Herz. Das ist anderwärts, irgendwo
Im Muschelkalk.

(aus: Kuttel Daddeldu, Projekt Gutenberg)

Erich Kästner: Sinn und Wesen der Satire

(aus: R.W. Leonhardt (Hrsg.): Kästner für Erwachsene; S. Fischer/Atrium ’66)

Über dem geläufigen Satze, daß es schwer sei, keine Satire zu schreiben, sollte nicht vergessen werden, daß das Gegenteil, nämlich das Schreiben von Satiren, auch nicht ganz einfach ist. Das Schwierigste an der Sache wird immer die Vorausberechnung der Wirkung bleiben. Zwischen dem Satiriker und dem Publikum herrscht seit alters Hochspannung. Sie beruht im Grunde auf einem ebenso einseitigen wie resoluten Mißverständnis, das der fingierte Sprecher eines Vierzeilers von mir, eben ein satirischer Schriftsteller, folgendermaßen formuliert:

Ich mag nicht länger drüber schweigen,
ihr es immer noch nicht wißt:
Es hat keinen Sinn, mir die Zähne zu zeigen,
– ich bin gar kein Dentist!

Wie gesagt, die Verfasser von Satiren pflegen mißverstanden zu werden.

Seit sie am Werke sind – und das heißt, seit geschrieben wird -, glauben die Leser und Hörer, diese Autoren würfen ihrer Zeit die Schaufenster aus den gleichen Motiven ein wie die Gassenjungen dem Bäcker. Sie vermuten hinter den Angriffen eine böse, krankhafte Lust und brandmarken sie, wenn sie es vorübergehend zum Reichspropagandaminister bringen, mit dem Participium praesentis „zersetzend“. Solche Leser sind aus Herzensgrund gegen das Zersetzen und Zerstören. Sie sind für das Positive und Aufbauende.

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„Ding, Dong! Wir bitten die Passagiere von Flug X4582 nach Mallorca, sich auf den Sicherheitscheck vorzubereiten“ | Neues von den Flughäfen

(aus einer genialen Fotostrecke von SPIEGEL online/SPAM – auf das Bild klicken, um zur Fotostrecke zu gelangen)

EILMELDUNG: Durchbruch im italienischen Parlament | Österreichische Staatsbürgerschaft für SüdtirolerInnen ab sofort möglich!

Auch der parlamentarisch abgebrühte Abgeordnete der Südtiroler-Verwöhnungs-Partei (SVP) Karl Zeller bekam weiche Knie und dem mit allen Wassern gewaschenen Volksvertreter Sigi Brugger (ebenfalls SVP) trieb es die Tränen der Rührung in die Augen, als vor wenigen Minuten die Abgeordnetenkammer einstimmig den Gesetzentwurf zur Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an Südtiroler durchwinkte.


Haben in Rom, Palermo, Siracusa, New York, Moskau und Jenesien für die österreichische Staatsbürgerschaft für SüdtirolerInnen gekämpft – die Parlamentarier Siegfried Brugger und Karl Zeller von der Südtiroler-Verwöhn-Partei. Dem Vorhaben steht nun nichts mehr im Wege.

Besonders die Zustimmung des Partito della Libertà und der Lega kamen doch etwas überraschend, auch wenn inzwischen durchgesickert ist, dass Landeshauptmann Durnberger im Zuge der Finanzverhandlungen mit dem Staat als kleinen Dank für die Verhandlungsbereitschaft die Zuweisung von 250 Ehrenleibrenten des Landes Südtirol für verdiente Staats- und sonstige Diener zugesagt hat, deren Empfänger von der PDL-Parteileitung benannt werden. Darüber hinaus erklärte sich Durnberger dem Vernehmen nach bereit, unter Nutzung des urbanistischen Instruments der Vertragskungelei sieben Dutzend Ferienhäuser im Hochpustertal an Freunde der Freunde in Rom zuzuweisen. Hinter verschlossenen Türen soll Durnberger als kleine Entschuldigung für die SVP-Blockfreiheit und mangelnde Liebe zu Berlusconi auch die Beteiligung der Fa. ANSE (anonima sequestri) an der SEL  zugesagt haben.

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