Archive for Februar 2010

Der abgeschlossene Kurzroman | Nacktscanner? Können wir uns sparen!

von Rudi Reiher
(aus: Hoblschoatn 2010, MGV Brixen)

Der Vorsitzende runzelte die Stirn, als der nächste Tagesordnungspunkt zur Behandlung kam. „Ankauf von Nacktscannern für den Flughafen Bozen“, las er vor. „Wer håt den Punkt af die Tågesordnung g’setzt?“ Der korpulente Herr blickte in die Runde. Ein smarter, gut gekleideter, frisch rasierter, sympathischer, sportlicher Herr hob seinen Zeigefinger und sagte flockig: „I“.

„Dear Punkt isch Chefsåche“, polterte der korpulente Herr: „I hånn miar do schun Gedånkn gmåcht. Miar lösn dess mit a Webkamera.“ „Mit a Webkamera?“, der Smartieboy blickte kurz von seinem Gameboy auf: „wia soll denn sell gian?“

„I pinn jo eh ålm in Piro“, erläuterte der korpulente Herr: „Do låss I merr di Bilder von Flughofn auerschickn und schaugg miar des selber un. Untn muass lei jemat in Passagier sogn, er soll sich in den Kammerle ausziachn. Es isch jo eh meischtns niamand untn!“

„Jo ober in Muntig isch a Schtress, semm fliagen der Sigi, der Charly und der Ossi oidn“, wandte die vollbusige Dame ein, die sich gerade mit dem neuesten L’Oreal-Magazin auseinandergesetzt hatte. „Sell isch koan Problem, dej scheiden als Attentäter aus, der Sigi und der Charly zumindescht. Dej welln no eppas werrn.“ Der korpulente Herr kam ins Grübeln: „Und pan Ossi löst sich dess Problem schpätigschtns pa die nexschtn Wohln.“

„Unt wenn amol an Ausländer weckfliagn will?“ Der flotte Ricky wunderte sich selbst über seinen intelligenten Einwurf. „Koan Problem“, der korpulente Herr setzte sein bekanntes Grinsen auf: „norr lossmer in Flug ausfolln. Schmalt eh koaner…“

<a href=“https://antonadler.files.wordpress.com/2010/02/reiher-klein.jpg“><img class=“alignright size-full wp-image-635″ title=“Rudi Reiher“ src=“https://antonadler.files.wordpress.com/2010/02/reiher-klein.jpg&#8220; alt=““ width=“83″ height=“74″ /></a>von Rudi Reiher
(aus: Hoblschoatn 2010, MGV Brixen)
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Franz Stockner packt ein | „Dreißig Jahre, und dann das!“

von Rudi Reiher
(aus: Hoblschoatn 2010, MGV Brixen)


„Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
Und das nach dreißig Jahren…“

Hoblschoatn: Das ist ja eine schöne Geschichte mit der Bauzone in St. Andrä…

Franz Stockner: Da ist man dreißig Jahre bei den Vereinen und Tag und Nacht für alle da und beim ersten kleinen Vorfall, wird so ein Scherbengericht angezettelt. Nach dreißig Jahren bei den Vereinen! Um was geht es überhaupt?

HS:  Sie haben sich für die Umwidmung eines Grundstückes eingesetzt, das Ihre Schwiegertochter für einen Pappenstiel gekauft hat, nachdem der Baron dem Vorbesitzer weis gemacht hatte, dass dort nie eine Bauzone entstehen werde. Gibt das nicht zumindest eine schiefe Optik?

FS: Was weiß ich, mit wem mein Sohn sich herumtreibt. Ich habe diese Frau Angelika das erste Mal bei der Hochzeit gesehen und da war sie schon Besitzerin irgend eines Grundstücks, zusammen mit einer anderen Frau. Sie hat halt einen guten Riecher, aber ich weiß eigentlich heute noch nicht, dass das Grundstück jemals hatte. Und das nach dreißig Jahren bei den Vereinen und dem ganzen Einsatz für das ostseitige Mittelgebirge.

HS: Aber sie haben für Frau Angelika bei der Bank gebürgt…

FS: Das ist bei uns am Berg so der Brauch. Wenn jemand etwas braucht, sind wir da. Ich habe gar nicht gewusst, dass ich für diese Frau Angelika gebürgt habe, ich habe geglaubt, dass es dabei um die Einschreibung meines Sohns in den Alpenverein gegangen ist. Weiterlesen

Betonpreis 2009 für Milland „Der neue Friedhof stellt alles in den Schatten!“

von Kuno Keiler
(aus Hoblschoatn 2010, MGV Brixen)

Im Rahmen einer schlichten Feier in der Millander Kirche „Maria am Sand und Schotter“ wurde kürzlich die Verleihung des Betonpreises 2009 vorgenommen, der von der Vereinigung zur Förderung der Betonwirtschaft jährlich vergeben wird und in Insiderkreisen als „Bagger-Nobelpreis“ bekannt ist.

In Milland hoffte man insgeheim schon seit Jahren, die begehrte Auszeichnung ergattern zu können – und lag damit nicht falsch. In seiner Laudatio betonte der Vorsitzende der Südtirol-Sektion der Betonfreunde, Werner B. Eisack, dass der dynamische Vorort der verschlafenen Bischofsstadt ein mehr als würdiger Preisträger sei.


Der Betonpreis 2009 hat in Milland einen würdigen Gewinner gefunden

Zwei wichtige Gestaltungsvorhaben, fuhr der dynamische Betonfreund fort, hätten schließlich das Betonfass fast zum Überlaufen gebracht und damit den nachgerade logischen Preisträger Milland ergeben: Eine unnötige Verbindungsstraße zwischen dem Platschweg und einigen Häusern in Hinterobermilland und der neue Friedhof, der mit besonders stilvollen und werbewirksamen Betonanwendungen alles bisher betonierte in den Schatten stelle.

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MGV probt für die Uraufführung eines Stücks von Manuela Kerer | Große Herausforderungen für Brixens Vorzeigechor

von Rudi Reiher
(aus: Hoblschoaten 2010/MGV Brixen)

Beim Männergesangverein laufen zur Zeit intensive Probenarbeiten. In der Herz-Jesu-Nacht wird das Stück „Wenn schwarze Löcher Zigorisalat auf eine Planetenbahn niederschnetzeln und niemand weiss, warum“ uraufgeführt, das die Brixner Komponistin Manuela Kerer nach einem überraschenden Geburtstagsständchen des Kleinen Chors für den MGV geschrieben hat.

Es handelt sich dabei um ein „Chorstück für ein schwarzes Loch, sieben Tenöre, dreieinhalb Bässe, zwei schwule Tenöre, zwei schwule Bässe, zwei schwule Baritone, vier Kastraten, einen Zigoristecher, vier WMF-Salatschüsseln, Essig, Olivenöl und eine Planetenbahn.“ Diese Konfiguration versetzt den traditionsreichen Brixner Verein in der Vorbereitungsphase in erhebliche Schwierigkeiten.

Doch die meisten Anforderungen konnten in der Zwischenzeit gelöst werden. Die Salatschüsseln wurden dem MGV leihweise vom bekannten Manu-Stücke-Ausstatter Helmuth Kerer zur Verfügung gestellt, als schwarzes Loch fungiert der Gemeinderatssaal, die Planetenbahn wird mittels Videoschaltung direkt vom Hubble-Teleskop in den Gemeinderatssaal übertragen. Essig und Olivenöl wurden dem MGV nach längeren Verhandlungen vom Rosenwirt zur Verfügung gestellt. Die Frage mit den schwulen Sängern konnte in langwierigen internen Verhandlungen geklärt werden über die Stillschweigen vereinbart wurde. Der Zigoristecher wurde bei Ellecosta Metallbau nach den Plänen von Hartwig Thaler in Auftrag gegeben, der bei Zigoristechern und anderen schwierigen Darstellungsaufgaben die größte Erfahrung nachweisen konnte.

Wo tun wir die Kastraten her?
Ein schwer lösbares Problem stellen die erforderlichen vier Kastraten dar. Da Manuela Kerer auf der festgelegten Ausstattung beharrt und die Anforderungen an eine authentische Interpretation diesbezüglich wenig Spielraum lassen, deutete lange Zeit alles darauf hin, dass einige MGV-Mitglieder über ihren Schatten und anschließend über das Skalpell springen müssten.


Muss dieses Teil zum Einsatz kommen, damit die Vorgaben der Komponistin erfüllt werden können?

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Das Ende eines Mythos | Unerhört: Durnwalder tritt Kompetenzen ab!

von Kuno Keiler
(aus: Hoblschoaten 2010, MGV Brixen)

Südtirols prominentestes Auslaufmodell (Eigendefinition des Betroffenen) ist vor einiger Zeit erfolgreich ausgelaufen und das Resultat konnte neun Monate später einer verblüfften Südtiroler Weltöffentlichkeit vorgeführt werden: Greta!

Die kleine Greta wurde sogleich zum harten Prüfstein eines lebenslangen Vater-Mythos, der nun vor der programmierten Auslaufzeit zu bröckeln beginnt. Erstmals seit der definitiven Machtergreifung im fernen 1989 ist es angesichts der kleinen Greta und deren Stoffwechsel zu einem freiwilligen Verzicht des prominenten Erzeugers auf seine herausragende Eigenschaft gekommen, die darin besteht, alles selber zu machen.

Hatte Südtirols erster Macho sich schon nicht in der Lage gesehen, der Geburt beizuwohnen, musste er spätestens bei der ersten Windelfüllung definitiv auf sein Vorrecht der Generalkompetenz verzichten und kleinlaut – wenn auch gewohnt medienwirksam – einräumen, der geschätzten Lebensabschnittspartnerin in diesen Dingen die Kernkompetenz nicht streitig machen zu wollen.

Derweil wächst die kleine Greta heran und wurde auf Fotos gesichtet, auf denen sie ihr Vater so hält wie man es von einer Balletttänzerin erwartet, der ein Presslufthammer in die Hand gedrückt wird. Greta scheint weder Prominenz, noch väterliches Mythenbröckeln in besonderer Weise zu beeindrucken. Sie hat nur mit einer Hypothek zum kämpfen, die sie wohl ein Leben lang begleiten wird. Um was es sich dabei handelt, kann man untenstehendem Bild entnehmen…

Ganz der Papa!? Die Arme… (aus: Hoblschoaten 2010/MGV Brixen, Alexander Lunger)

Der abgeschlossene Kurzroman | Grenzgänger

von Rudi Reiher
(aus: „Hoblschoaten“ 2010, MGV Brixen)

Die Gruppe war schon an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen. Keuchend schleppten sich die Wanderer am Waldweg voran. „Herr Bergführer“, ächzte der Salewa-strotzende Wanderer mit dem nagelneuen Steinschlaghelm. „Miar hobm gsågg, dass merr du sågn, in die Perg“, maßregelte ihn der vorausschreitende Prachtkerl und fügte an: „wåss isch denn?“ Der Wanderer schnappte nach Luft und fragte dann: „Wie merkt man es eigentlich, wenn man als Wanderer Südtirol verlassen hat?“

Der Bergführer runzelte die Stirn. Hatte er beim letzten Bergführer-Upgrading-Kurs nicht aufgepasst? Er dachte eine Weile nach. Plötzlich hellte sich sein beim Nachdenken stets zur Finsternis neigendes Gesicht etwas auf. Er stellte sich vor seinem Gast auf und dozierte: „Du pisch nimmer in Sittirol, wenn Du mehr als oan Haus siggsch und derneben koan Feierwehrhalle und koan Vereinshaus schteat.“

Widmann wirkt Wunder | Endlich gefunden: Die Lösung gegen Hubschrauberlärm

von Rudi Reiher
(aus: „Hoblschoaten“ 2010, MGV Brixen)


Die Beschwerden der Anrainer des Bozner Flugplatzes gegen die lauten Hubschrauberflüge haben den pfiffig-wendig-herzeigbaren und stets gut gelaunten Landesrat für gute Nachrichten und alles was klappt, Tommy Widmann, auf den Plan gerufen.

Südtirols Schönwetterassessor hat nun eine geniale Lösung gefunden: Zur Bekämpfung des Hubschrauberlärms werden ganz einfach Linienflüge eingesetzt! Seit rund um die Uhr alle zehn Minuten in Bozen ein Linienflugzeug startet oder landet, hört man kaum mehr was von den Hubschraubern des Militärs, die für ihre Übungsflüge nach Meran ausweichen mussten. Doch auch dort wollte man sie nicht haben und entschied sich für eine Radikalkur à la Widmann: Seither wird auch Meran 56 Mal am Tag von Linienflugzeugen angeflogen und siehe da – die Hubschrauberbelastung in Meran ist fast auf Null zurückgegangen. Zumindest in der unmittelbaren Umgebung der An- und Abflugschneise.


(aus: Hoblschoaten 2010/MGV Brixen)

Auch einer immer größer werdenden Gruppe von BrixnerInnen gehen die zahlreichen Hubschrauberflüge im Eisacktal auf die Nerven. Sie haben eine Unterschriftensammlung initiiert, die darauf abzielt, auch in Brixen das Hubschrauberproblem mittels Linienflügen zu lösen.

Die Frage, wer denn in den Genuss der vielen Linienflüge kommen soll, wird von Landesrat Widmann mit einer schlagenden Argumentation abgetan: „Wenn schon keine Leute mit den Fliegern fliegen, dann fliegen halt die Linien mit“, begründete er kürzlich seine Sichtweise und schickte mit herzigem Augenaufschlag das ultimative Killerargument gleich hinterher: „wieso heißen sie sonst Linienflüge?“