Posts Tagged ‘Anno Neun’

Pepi Feichtinger zum Gedenkjahr Null-neun: Rückblick auf ein nicht ganz halbes Jubeljahr

(Juni 2009) Tirol ist eine Kuriosiät. Seit eine Unrechtsgrenze den Körper des Landes abgeschnürt hat, sind ihm zwei Köpfe gewachsen, die gleich reden, aber verschieden denken und nur in zwei Punkten übereinstimmen: in der hektischen Zerstörung der Natur zu Erwerbszwecken und in der hektischen Pflege einer gemeinsamen glorreichen Vergangenheit.

Und so bricht alle 25 Jahre, in so genannten Bedenk- oder Gedenk- oder Jubeljahren, die ansteckende Andreas-Hofer-Grippe aus, die mehr oder weniger alle Bewohner der Alpentäler befällt: dieser Infektion besonders ausgesetzt sind die männlichen Tiroler, sofern ihre Schädel für einen Schützenhut taugen. Dieser Hofer-Virus nistet sich aber auch in die (wenigen) Köpfe ein, die sich einbilden, kritisch zu sein, denn sie lassen sich zum Widerspruch zwingen oder zu lehrerhafter Aufklärungsarbeit. Auch der KVW kann sich dem patriotischen Dampf nicht entziehen: Wozu wünscht er sonst diesen Beitrag? Und ich habe mit Luis Benedikter für den Sender Bozen 16 halbstündige Sendungen gebastelt, eine Endlosschleife von mehrheitlich schlechten Texten aus Tirol, um den Hörern zu beweisen, dass das Neunerjahr von den gegensätzlichsten Gruppierungen vereinnahmt werden konnte, so dass die böse Frage auftaucht: ist 1809 ein leerer Rahmen? Andreas Hofer ein Hohler Kopf?

Solch ketzerische und rufschädigende Gedanken erstickt das Gedenkjahr 2009 durch Fülle. Weiterlesen

Landesregierung beschließt Programm „Wegn d’r Hoamet“ – Eine Tracht für jeden!

Die Südtiroler Landesregierung hat am Montag beschlossen, landesweit die Trachtenpflicht einzuführen. Wie Landeshauptmann Luis Durnberger in der Pressekonferenz nach der Regierungssitzung betonte, diene die Maßnahme in erster Linie der Stärkung der Südtiroler Identität und stelle den Höhepunkt des Gedenkjahres dar.

„Der Landesfestumzug in Innsbruck“, so der in Schützentracht zur Pressekonferenz erschienene Landeshauptmann wörtlich „hat uns vor das tränende Auge geführt, wie wichtig die Tiroler Indentität ist und weltweit für ein positives Tirol-Bild gesorgt und das wollen wir jetzt immer so haben.“

Landeshauptmann Durnberger bei der Vorstellung des Trachtendekrets (neben ihm eine landesübliche Trachtenpuppe)

Die Umsetzung des Beschlusses der Südtiroler Landesregierung stellt ein umfangreiches Unterfangen dar und soll am Todestag von Franz Paul Kopfberghofer mit einem großen Landesumzug von Bozen nach Meran und anschließendem großen Zapfenstreich am jeweiligen Zapfenstandort abgeschlossen werden.  Franz Paul Kopfberghofer ist einer der unbekanntesten Tiroler Freiheitskämpfer aus dem Anno neun.

Im Gedenken an Franz Paul Kopfberghofer
Im Zuge der Vorbereitungen für das Gedenkjahr zwo null neun wurden die Landeshistoriker auf das Schicksal Kopfberghofers aufmerksam, der kurz vor der vierten Bergiselschlacht am 1. November 1809 beim Neunern im Gasthof Schupfen in Unterberg beim Herannahen einer französischen Weinflasche derart erschrak, dass er unter heftigen Freiheitskrämpfen an Knödelresten in der Luftröhre erstickte.

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