Franz Stockner packt ein | „Dreißig Jahre, und dann das!“

von Rudi Reiher
(aus: Hoblschoatn 2010, MGV Brixen)


„Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
Und das nach dreißig Jahren…“

Hoblschoatn: Das ist ja eine schöne Geschichte mit der Bauzone in St. Andrä…

Franz Stockner: Da ist man dreißig Jahre bei den Vereinen und Tag und Nacht für alle da und beim ersten kleinen Vorfall, wird so ein Scherbengericht angezettelt. Nach dreißig Jahren bei den Vereinen! Um was geht es überhaupt?

HS:  Sie haben sich für die Umwidmung eines Grundstückes eingesetzt, das Ihre Schwiegertochter für einen Pappenstiel gekauft hat, nachdem der Baron dem Vorbesitzer weis gemacht hatte, dass dort nie eine Bauzone entstehen werde. Gibt das nicht zumindest eine schiefe Optik?

FS: Was weiß ich, mit wem mein Sohn sich herumtreibt. Ich habe diese Frau Angelika das erste Mal bei der Hochzeit gesehen und da war sie schon Besitzerin irgend eines Grundstücks, zusammen mit einer anderen Frau. Sie hat halt einen guten Riecher, aber ich weiß eigentlich heute noch nicht, dass das Grundstück jemals hatte. Und das nach dreißig Jahren bei den Vereinen und dem ganzen Einsatz für das ostseitige Mittelgebirge.

HS: Aber sie haben für Frau Angelika bei der Bank gebürgt…

FS: Das ist bei uns am Berg so der Brauch. Wenn jemand etwas braucht, sind wir da. Ich habe gar nicht gewusst, dass ich für diese Frau Angelika gebürgt habe, ich habe geglaubt, dass es dabei um die Einschreibung meines Sohns in den Alpenverein gegangen ist. Wenn’s mich braucht, bin ich immer da. Seit dreißig Jahren, Tag und Nacht. Und jetzt das. Wissen Sie, wie meine Familie unter der ganzen Sache leidet. Sogar soffl, dass die ganze Geschichte beim Sankt Anderer Fasching gar nicht vorkommt, wegen dem Leiden von meiner Familie. Und das nach dreißig Jahren Einsatz bei den Vereinen.

HS: Was haben Sie sich dabei gedacht, als von Ihrer nunmehrigen Schwiegertochter plötzlich 380.000.- Euro auf Ihrem Konto eingezahlt wurden?

FS: Wissen Sie, ich bin ein größerer Bauer und da schaut man nicht jeden Tag auf das Konto. Und wenn die Auszüge kommen, habe ich nicht immer die Brillen bei der Hand, da bleibt das liegen. 380.000.- Euro, sagen Sie? Die Frau Angelika hat das überwiesen? Vielleicht ist da was falsch gebucht worden, jetzt muss ich doch glatt einmal schauen gehen. Langsam kommt mir das unheimlich vor. Ich habe auf jeden Fall immer alles richtig und korrekt gemacht. Seit über dreißig Jahren bei den Vereinen.

HS: Sie haben sich vehement dafür eingesetzt, dass das schütter bestockte Waldstück, das Ihre nunmehrige Schwiegertochter gekauft hatte, in eine Wohnzone umgewandelt wird.

FS: Das stimmt überhaupt nicht. Ich habe schon vor Jahren immer davor gewarnt, in diesem Grundstück, von dem ich nicht einmal weiß, wo es liegt, zu bauen. Ich war immer dagegen, das können sie die Leute fragen, die seit dreißig Jahren mit mir in den Vereinen tätig sind. Ist das Grundstück, von dem ich nicht genau weiß, wo es liegt und wem es gehört tatsächlich umgewidmet worden? Wissen Sie, ich war in den letzten Jahren nicht mehr so oft in der Gemeinde, ich hatte immer hier heroben bei den Vereinen zu tun, über dreißig Jahre lang. Vielleicht habe ich da etwas nicht mitbekommen oder ich hatte die Brillen nicht dabei.

HS: Der Baron hat in sein Tagebuch geschrieben, dass das schöne Geschäft ohne Stockner nicht möglich gewesen wäre. Die Polizei hat das Tagebuch beschlagnahmt, das ist doch eine erdrückende Beweislast gegen Sie?

FS: So ein Schmarrn! Stockner gibt es viele. Allein bei den Vereinen hier heroben, wo ich dreißig Jahre tätig war, gibt es immer fünf oder sechs Stockner gleichzeitig. Und übrigens: Welcher Baron? Ich kenne keinen Baron…

HS: Baron Unterrichter, Rudl Unterrichter

FS: Das sagt mir jetzt nichts. Nein, ich kenne keinen Unterrichter, das müsste ich wissen, wenn ich einen kennen tät. In dreißig Jahren hier heroben bei den Vereinen und auch vorher ist mir noch kein Unterricht oder Unterrichter untergekommen.

HS: Wenn alles so klar ist und Sie mit der Sache nichts zu tun haben, warum sind Sie dann zurückgetreten?

FS: Bin ich das? Ich glaube, ich habe da etwas nicht mitbekommen…

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2 responses to this post.

  1. Posted by Dirk Müller on 19. Februar 2010 at 21:36

    Wo gibt’s die Holbschotten zu kaufen? Möchte ein Exemplar nach Köln geschickt bekommen. Wir verstehen hier was von Karneval, aber in punkto Satire steht uns der MGV Brixten in nichts nach!

    Grüße
    Dirk

    Antwort

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