Schluiferers Analyse des Tarrolas | Schädeltypen und Anderes.

(Aus: Fern von Europa – Tirol ohne Maske, von Carl Techet, alias Sepp Schluiferer, München 1909)

Dem Anthropologen wie dem Ethnographen geben die Tarrola viele Fragen zu lösen. Man trifft in ein und demselben Fleck die verschiedensten Rassencharaktere, was auf reichliche Blutmischung hindeutet. Daraus erklärt sich auch die hohe Kultur dieses Volkes. –

Häufig sieht man den dolichocephalen Typus. Der Langschädel ist durch waschblaue Augen, semmelblondes Haar und bedeutende Körpergröße ausgezeichnet. Man beachte das Bild! Der Blick verrät Sanftmut,

das tief in die Stirnfläche vordringende Haar weist auf Ergebung und Frömmigkeit hin. Die Hände reichen bei diesem Typus meist weit unter die Kniee. Daraus könnte man auf die Blutverwandtschaft mit gewissen afrikanischen Urvölkern schließen, doch sprechen die anderen Merkmale wieder für einen Zusammenhang mit der dolichocephalen Rasse, der Skandinavier, Finnen und auch die ursprünglichen Russen angehören. –

Ganz anders als dieser Typus ist die

brachicephale, die kurzköpfige Rasse oder schlechthin der „Dickschädel“. Das Bild zeigt uns einen untersetzt gebauten Mann. Der kräftige Nacken, das borstige dunkle Haar und der lebhafte Blick sprechen für Energie und einen eisernen Willen. Jeder steinerne Bierkrug wird in der Hand eines solchen Mannes zur tödlichen Waffe; während seine Linke vielleicht noch die Perlen des Rosenkranzes umschließt, gleitet die kampflustige Rechte schon zum seitwärtigen Hosensack hin, in dem das lange Dolchmesser steckt.

Nun gar die Rhodocephalen!

Ihr Haar ist straff‘ und brennrot, sie sind mager und bleich, mit stechendem, unwirschem Blicke. Es ist dies der Blick des religiösen Schwärmers, der nach Protestantenblut lechzt und nach der siebenten Maß und dem sechsten „Viertele“ visionäre Erscheinungen himmlischer Gestalten bekommt oder der den Teufel durch Verschlucken von warmem Kuhmist aus seiner Seele vertreibt. –

Nicht minder interessant ist der ungemein häufige Typus, den uns der Bärtige auf dein folgenden Bilde darstellt. „Schweinsäugelein“ würde man dies in der Vulgärsprache nennen, für die Wissenschaft sei der Name „Syopie“ vorgeschlagen. Über die Stirne dieses vertrackten Antlitzes laufen Falten als Kennzeichen

nicht selten auftretender Gedanken, ein höchst „verzwicktes“ Lächeln ruft allüberall weitere sonderbare Faltenbildungen hervor, hinter denen die kleinen, listigen Tieräugelein fast völlig verschwinden.

Ein solcher Mann sagt „Grüaß Gauoood“ und pflegt dabei zu denken „Henkch di‘ auf, du Stoa-Esel, du damischer“ und wenn er sich mit „Pfiat Gauoood“ verabschiedet, so bedeutet dies bei ihm „Geh‘ zan Teifi, g’scheerta Stodfrackch“; er ist mit einem Wort der Repräsentant jener herzerwärmenden Eigenschaften, die man im Lande allgemein als „Gemiadlachkcheit“ und „Ehrlachkcheit“ bezeichnet.

Hütet euch vor den Gezeichneten, vor den mit Schweinsäugelein Gezeichneten – denn sie sind „ehrlach“. – –

Vielleicht ist Mongolenblut in diesen Leuten? Sine ira et studio sei dies als ein wissenschaftliches Problem hingestellt. –

Selbst Beziehungen zu den nordamerikanischen Ureinwohnern drängen sich einem auf. Man vergleiche die beiden folgenden Darstellungen!

Auf der einen Seite sehen wir den Apachenhäuptling „Intschu-tschuna“, zu deutsch „die feurige Schnapsflasche“, mit Kopfschmuck, Halskette, Ohrringen und Friedenspfeife. Ihm gegenüber ist abgebildet Jobst Schießling, Ökonom aus Intzing. Er trägt um den Hals ein Amulet und im linken Ohr ein sog. „Ohrflinserl“, das gegen Krankheit und böse Geister schützt. Zur Sonntagspfeife nimmt er den Sonntags-„gamschbort“, d. i. ein Kopfschmuck aus langen Sauborsten, mit dem jeder eingeborene wehrhafte Mann sein Schönheitsbedürfnis vollauf befriedigt.

Die Ähnlichkeit der beiden rassigen Edelmenschen ist groß. Mit den Erfahrungen eines Karl May könnte man noch mehr darüber reden. –

Die Tarrola bieten daher dem Blicke und der Forschung des Gelehrten sehr viel Interessantes. Freilich sind nicht alle Probleme lösbar!

Ich wandte mich an einen gebildeten Tarrola mit der Frage: Woher, glauben Sie, stammt Ihr Volk?

Dö Tarrola, antwortete er bestimmt, dö Tarrola stamman iwerhaupt nöt o‘! Mia Tarrola san ebn Tarrola! Dös ischt nia andascht g’wen und wird nia andascht sei‘! Varschtandn? – –

Seitdem forsche ich nicht mehr. Es gibt auch in der Völkergeschichte Axiome.

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