Widmann wirkt Wunder | Endlich gefunden: Die Lösung gegen Hubschrauberlärm

von Rudi Reiher
(aus: “Hoblschoaten” 2010, MGV Brixen)


Die Beschwerden der Anrainer des Bozner Flugplatzes gegen die lauten Hubschrauberflüge haben den pfiffig-wendig-herzeigbaren und stets gut gelaunten Landesrat für gute Nachrichten und alles was klappt, Tommy Widmann, auf den Plan gerufen.

Südtirols Schönwetterassessor hat nun eine geniale Lösung gefunden: Zur Bekämpfung des Hubschrauberlärms werden ganz einfach Linienflüge eingesetzt! Seit rund um die Uhr alle zehn Minuten in Bozen ein Linienflugzeug startet oder landet, hört man kaum mehr was von den Hubschraubern des Militärs, die für ihre Übungsflüge nach Meran ausweichen mussten. Doch auch dort wollte man sie nicht haben und entschied sich für eine Radikalkur à la Widmann: Seither wird auch Meran 56 Mal am Tag von Linienflugzeugen angeflogen und siehe da – die Hubschrauberbelastung in Meran ist fast auf Null zurückgegangen. Zumindest in der unmittelbaren Umgebung der An- und Abflugschneise.


(aus: Hoblschoaten 2010/MGV Brixen)

Auch einer immer größer werdenden Gruppe von BrixnerInnen gehen die zahlreichen Hubschrauberflüge im Eisacktal auf die Nerven. Sie haben eine Unterschriftensammlung initiiert, die darauf abzielt, auch in Brixen das Hubschrauberproblem mittels Linienflügen zu lösen.

Die Frage, wer denn in den Genuss der vielen Linienflüge kommen soll, wird von Landesrat Widmann mit einer schlagenden Argumentation abgetan: „Wenn schon keine Leute mit den Fliegern fliegen, dann fliegen halt die Linien mit“, begründete er kürzlich seine Sichtweise und schickte mit herzigem Augenaufschlag das ultimative Killerargument gleich hinterher: „wieso heißen sie sonst Linienflüge?“

Investorensegen

von Kuno Keiler
(aus Hoblschoaten 2010/MGV Brixen)

Die wahren, heut gebrauchten Schätze,
sind gut bezahlte Arbeitsplätze.

Für Menschen hier aus unsrer Stadt,
die solches nur zu bieten hat,
wenn Investoren mutig werken
und wir sie darin bestärken.

Drum lasst sie frei Baugründe wählen,
tut sie nicht mit Naturschutz quälen,
weil all die Hoffnung wir verlieren,
wenn anderswo sie investieren.

Steht erst’s Hotel, ihr werdet sehen,
wird’s Arbeitsleben wieder schön:
Für Slavko, Ahmed, und den Jim,
für Branko, Anka und Mei-Lin.

Hofburggarten als Eventodrom? | Neue Entwicklungen bei Brixens wichtigstem Verunstaltungsprojekt B

von Kuno Keiler
(aus Hoblschoaten 2010/MGV Brixen)

Bei der letzten Sitzung des Landesumgestaltungbeirates wurden weitere Entwürfe für die Verunstaltung des Hofburggartens in Brixen vorgestellt und besprochen. Der Beirat beschäftigte sich schon zum fünften Mal mit der geplanten Verunstaltung des 3 Hektar  großen Areals, da die bisher eingereichten Vorschläge nicht den ausgeschriebenen Verunstaltungskriterien entsprochen hatten.

Kein Apfel-Glashaus
So fiel das Projekt für ein apfelförmiges Glashaus in dreifacher Größe des Acquarena-Gebäudes wegen offenkundiger Banalität und Streitereien bei der Sortenwahl genauso durch wie der vom Weihnachtsmarktkomitee favorisierte Ganz-Jahres-Lunapark mit Klimawandel-Simulation. Auch der originalgetreue Nachbau der letzten 600 Höhenmeter des Nanga Parbat mit Erlebnispark und Reinhold-Messner-Unterhosen-Museum konnte letztlich nicht überzeugen, da nicht genug leere Sauerstoff-Flaschen und Abfälle aller Art für die Ausgestaltung des Basislagers aufgetrieben werden konnten.

Kein Gondola-Park
Auch der Venice-Gondola-Park mit Liebesparcour fiel sprichwörtlich ins Wasser, da sich die Stadtverwaltung nicht den Sperenzchen der Gondolieri-Gewerkschaft ausliefern wollte und damit rechnen musste, dass der originalgetreue Venedig-Geruch aus 700 Venice-Düsen nicht auf Anhieb bei den Bürgern als unabdingbarer Bestandteil des originalen Venice-Feelings akzeptiert worden wäre.

(aus: Hoblschoaten 2010/MGV Brixen)

Ein interessanter Vorschlag aus Singapur
Wie aus der Sitzung des Landesumgestaltungsbeirates durchsickerte gibt es einen neuen Favoriten unter den eingereichten Projekten.
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Ah – ja!

SPIEGEL online/SPAM

Schweiz in Not | Das Geld der Schurken ist ihr täglich Brot

von Kuno Keiler

Aus der Schweiz erschallt ein Ruf:
“In tiefer Not, die ein Schuft jetzt schuf,
rufen wir Herrn Schäuble zu,
kaufen’s nix und geben’s Ruh!”

Das bisschen Schwarzgeld von honor’gen Leuten,
ist doch nicht der Rede wert,
das hat doch wirklich gar nichts zu bedeuten,
wenn Einer “steuerschonend” sein Vermögen mehrt.

War da nicht Eidgenosse Ackermann
mit seinen blöden Sprüchen,
vom Rehlein Geld das flüchten kann,
wähnt Steuern es in den Gerüchen?

Die Schweiz lebt gut mit all den Kavalieren,
sie hütet Geld, an dem das Blut noch klebt,
sie hat ein sehr perfides Spiel getrieben,
Der Welt tut’s gut, wird nach der Wahrheit hier gestrebt!

Drum Schäuble, wacker, hol die Daten!
Erforsch’ die schwein’schen Missetaten,
der gier’gen Bonzen, Geldererheischer, Erben.
Ich spende gerne, um die Daten zu erwerben!

Apps wohin man blickt | Verblödung mit Methode?

Kittihawk, SPIEGEL online/SPAM

Lebenshilfe aus dem Web | Geat shun weiß, was gut gegen Streß ist

Geat shun ist Südtirols absolut beste Lebenshilfe-Website. Die Geat shun-Jünger wissen Rat in allen Lebenslagen, von Fragen der Gesundheit und des Liebeslebens bis hin zum Erfolg im Geschäft – wobei sie wohl in erster Linie an ihren eigenen Geschäftserfolg denken, die Schlingel.

Ein Renner dürfte die im Onlineshop von Geat shun erhältliche Anti-Stress-Uhr sein, die ich für eine nachgerade geniale Erfindung halte. Es gibt sie in zwei Versionen. Version eins ist für stark Stressgeschädigte, Version zwei für jene, die bisher als unheilbar galten.

Anton Adlers Leser sollen es einmal besser haben. Deshalb verraten wir hier, wie man zur ultimativen Stresslösung mit Hilfe der Geat-Shun-Antistress-Uhr gelangt.

Es geht ganz einfach: Hier klicken!

Oder hier, wenn’s beliebt:

Andere mögen Kriege führen! Du, glückliches Südtirol …

Wenn man Nicht-SüdtirolerInnen nach den zentralen Merkmalen südtirolischer Befindlichkeit fragt, kommt man auf Attribute wie lustig, unbeschwert, gesund, lederhosig, dienstfertig, originell, wildsauskifahrend, trinkfest, naturverbunden.

Das ist die Schönwetterseite der SüdtirolerInnen die beim Herannahen von Touristen hervorgekehrt wird, vor allem wenn diese den Anschein erwecken, Geld loswerden zu wollen. Der Südtiroler, die Südtirolerin: sie wissen, welches Verhalten geschäftsfördernd ist und welches nicht.


So sieht man die (Süd)Tiroler gern! Doch sie haben bei aller Trinkfestigkeit auch Verantwortungsbewusstsein. Auf dem Foto schwer erkennbar: Die Warnhinweise der italienischen Trinkervereinigung (chi beve birra, va lontano)

Und, sie haben erkannt: Die Zeit ist wohl nicht mehr danach, unter Hinweis auf volksgrüpplichen Todesmarsch, Piesackung durch römisch-unkatholische Faschisten, die hundsgemeinen Bocksprünge der Geschichte und die Durchtrennung historisch-kultureller Nabelschnüre stille aber erklecklich sprießende Einnahmen zu schaffen. Im Land des Gastarbeiterschweinsspecks und des Magdaleners ist – SMG sei Lob, Dank und Steuergeld! – verstanden worden, dass das bizarr-schrullige Anderssein der SüdtirolerInnen hüben wie drüben wie unten als Bestimmungsgrund lukrativer touristischer Nachfrage eine gute Einkommensgrundlage darstellt.

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Joachim Ringelnatz: Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforcemonument

Guten Abend, schöne Unbekannte! Es ist nachts halb zehn.
Würden Sie liebenswürdigerweise mit mir schlafen gehn?
Wer ich bin? – Sie meinen, wie ich heiße?

Liebes Kind, ich werde Sie belügen,
Denn ich schenke dir drei Pfund.
Denn ich küsse niemals auf den Mund.
Von uns beiden bin ich der Gescheite.
Doch du darfst mich um drei weitre
Pfund betrügen.

Glaube mir, liebes Kind:
Wenn man einmal in Sansibar
Und in Tirol und im Gefängnis und in Kalkutta war,
Dann merkt man erst, daß man nicht weiß, wie sonderbar
Die Menschen sind.

Deine Ehre, zum Beispiel, ist nicht dasselbe
Wie bei Peter dem Großen L’honneur. –
Übrigens war ich – (Schenk mir das gelbe
Band!) – in Altona an der Elbe
Schaufensterdekorateur. –

Hast du das Tuten gehört?
Das ist Wilson Line.
Wie? Ich sei angetrunken? O nein, nein! Nein!
Ich bin völlig besoffen und hundsgefährlich geistesgestört.
Aber sechs Pfund sind immer ein Risiko wert.

Wie du mißtrauisch neben mir gehst!
Wart nur, ich erzähle dir schnurrige Sachen.
Ich weiß: Du wirst lachen.
Ich weiß: Daß sie dich auch traurig machen.
Obwohl du sie gar nicht verstehst.

Und auch ich –
Du wirst mir vertrauen, – später, in Hose und Hemd.
Mädchen wie du haben mir immer vertraut.

Ich bin etwas schief ins Leben gebaut.
Wo mir alles rätselvoll ist und fremd,
Da wohnt meine Mutter. – Quatsch! Ich bitte dich: Sei recht laut!

Ich bin eine alte Kommode.
Oft mit Tinte oder Rotwein begossen;
Manchmal mit Fußtritten geschlossen.
Der wird kichern, der nach meinem Tode
Mein Geheimfach entdeckt. –
Ach Kind, wenn du ahntest, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt!

Das ist nun kein richtiger Scherz.
Ich bin auch nicht richtig froh.
Ich habe auch kein richtiges Herz.
Ich bin nur ein kleiner, unanständiger Schalk.
Mein richtiges Herz. Das ist anderwärts, irgendwo
Im Muschelkalk.

(aus: Kuttel Daddeldu, Projekt Gutenberg)

Erich Kästner: Sinn und Wesen der Satire

(aus: R.W. Leonhardt (Hrsg.): Kästner für Erwachsene; S. Fischer/Atrium ’66)

Über dem geläufigen Satze, daß es schwer sei, keine Satire zu schreiben, sollte nicht vergessen werden, daß das Gegenteil, nämlich das Schreiben von Satiren, auch nicht ganz einfach ist. Das Schwierigste an der Sache wird immer die Vorausberechnung der Wirkung bleiben. Zwischen dem Satiriker und dem Publikum herrscht seit alters Hochspannung. Sie beruht im Grunde auf einem ebenso einseitigen wie resoluten Mißverständnis, das der fingierte Sprecher eines Vierzeilers von mir, eben ein satirischer Schriftsteller, folgendermaßen formuliert:

Ich mag nicht länger drüber schweigen,
ihr es immer noch nicht wißt:
Es hat keinen Sinn, mir die Zähne zu zeigen,
- ich bin gar kein Dentist!

Wie gesagt, die Verfasser von Satiren pflegen mißverstanden zu werden.

Seit sie am Werke sind – und das heißt, seit geschrieben wird -, glauben die Leser und Hörer, diese Autoren würfen ihrer Zeit die Schaufenster aus den gleichen Motiven ein wie die Gassenjungen dem Bäcker. Sie vermuten hinter den Angriffen eine böse, krankhafte Lust und brandmarken sie, wenn sie es vorübergehend zum Reichspropagandaminister bringen, mit dem Participium praesentis “zersetzend”. Solche Leser sind aus Herzensgrund gegen das Zersetzen und Zerstören. Sie sind für das Positive und Aufbauende.

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“Ding, Dong! Wir bitten die Passagiere von Flug X4582 nach Mallorca, sich auf den Sicherheitscheck vorzubereiten” | Neues von den Flughäfen

(aus einer genialen Fotostrecke von SPIEGEL online/SPAM – auf das Bild klicken, um zur Fotostrecke zu gelangen)

EILMELDUNG: Durchbruch im italienischen Parlament | Österreichische Staatsbürgerschaft für SüdtirolerInnen ab sofort möglich!

Auch der parlamentarisch abgebrühte Abgeordnete der Südtiroler-Verwöhnungs-Partei (SVP) Karl Zeller bekam weiche Knie und dem mit allen Wassern gewaschenen Volksvertreter Sigi Brugger (ebenfalls SVP) trieb es die Tränen der Rührung in die Augen, als vor wenigen Minuten die Abgeordnetenkammer einstimmig den Gesetzentwurf zur Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an Südtiroler durchwinkte.


Haben in Rom, Palermo, Siracusa, New York, Moskau und Jenesien für die österreichische Staatsbürgerschaft für SüdtirolerInnen gekämpft – die Parlamentarier Siegfried Brugger und Karl Zeller von der Südtiroler-Verwöhn-Partei. Dem Vorhaben steht nun nichts mehr im Wege.

Besonders die Zustimmung des Partito della Libertà und der Lega kamen doch etwas überraschend, auch wenn inzwischen durchgesickert ist, dass Landeshauptmann Durnberger im Zuge der Finanzverhandlungen mit dem Staat als kleinen Dank für die Verhandlungsbereitschaft die Zuweisung von 250 Ehrenleibrenten des Landes Südtirol für verdiente Staats- und sonstige Diener zugesagt hat, deren Empfänger von der PDL-Parteileitung benannt werden. Darüber hinaus erklärte sich Durnberger dem Vernehmen nach bereit, unter Nutzung des urbanistischen Instruments der Vertragskungelei sieben Dutzend Ferienhäuser im Hochpustertal an Freunde der Freunde in Rom zuzuweisen. Hinter verschlossenen Türen soll Durnberger als kleine Entschuldigung für die SVP-Blockfreiheit und mangelnde Liebe zu Berlusconi auch die Beteiligung der Fa. ANSE (anonima sequestri) an der SEL  zugesagt haben.

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Wie ging das gleich? | In der Not…

Fundsache | Minarettverbot! Wer hat’s erfunden?

(gefunden auf: www.blog.pantoffelpunk.de)

Tja, wie erklär ich’s diesem Kinde…

Mario Lars für Spiegel online/SPAM

Die gute Pharma hilft: Anti-Terror-Impfung an Flughäfen rückt näher!

(aus: SPIEGEL online/SPAM, dem ultimativen Satireformat der SPIEGEL online-Redaktion)

Die Pharmaindustrie warnt: Regierung soll nicht auf durchsichtige Geschäftsinteressen der Nacktscanner-Industrie hereinfallen. Viel besseren Schutz vor der Terrorpandemie biete das neu entwickelte Anti-Terror-Impfserum.

Bald überflüssig? Scanner-Bilder

Das Anti-Terror-Impfserum könne ab sofort allen Fluggästen am Sicherheitscheck verabreicht werden, so ein Sprecher. Innerhalb weniger Minuten fielen die Geimpften für die Dauer ihres Flugs in einen komatösen Zustand, der keinerlei Terroraktivitäten mehr zulasse. Alle Fluggäste könnten so völlig risikofrei auf Gepäckwägelchen in den Flieger verbracht werden. Und, ja, gab der Pharmasprecher auf Nachfrage zu, es handle sich bei dem Impfstoff tatsächlich um eine Weiterentwicklung der Schweinegrippeimpfung. Deshalb könnten die Länder gegen eine geringe Verwaltungsgebühr ihren bereits bestellten, aber noch nicht ausgelieferten Schweinegrippeimpfstoff sogar umbestellen.

Nachwuchs beim Verein für deutliche Aussprache | Da gibt’s keine Tabus…

SPIEGEL online SPAM – Kittihawk

Matussek im Gespräch mit Kemal Atatürk | Feinherbe Satire zu einem heiklen Thema

Zur Lage der Nation | Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

(aus: DIE ZEIT, Nr. 51, 10.12.09)


Markus Roost für DIE ZEIT

“Das Brauchtum wütet in allen Lebenssparten” | Aus einem Text von Georg Paulmichl

(aus: Georg Paulmichl homepage)

BRAUCHTUMSGESTÖBER

Südtirol steht schon lange auf dem Erdenbuckel.

Südtirol ist ein Land, wo das Altertum überall vorkommt. Zum Südtiroler Brauchtum gehören die Brandstifter, der Schneeräumdienst, die Prozessionsfahnen, der Gemeindearzt, der Landeshauptmann und die Dorfpfarrer.

Krumme Kampfsäbel, Stutzen und Brauchtumsträge, werden zum Anblick aufgebahrt. Das alte Plunderzeug und Klappergestell findet keine Ruhepause. Das Brauchtum wütet in allen Lebenssparten.

Die Schweizer Garden haben in der Calvenscene Veteranen singen Kampflieder zur Erholungschlacht den Vinschgau niedergeballert. Grausliche Raubritter haben sich zur Rauflust ins Getümmel geworfen. Früher hat die Musikkapelle mit alten Eiseninstrumenten den Tonreigen geblasen. Das ist lange her.

Früher kommt nicht mehr.

Die alten Blashörner haben in der Musikschule keine Aufgabe. Auch die Frontkämpfer haben ihre alte Tätigkeit. Die alten Kampgeschwader verlassen langsam den Lebenszyklus. Auf dem Soldatenfriedhof kämpfen sie tapfer gegen den Taubenschiß. Medaillen haben sie auch abbekommen für den Schießbefehl. Früher im Altertum hat Gott Bibelwunder vollbracht. Er hat die Lahmen in Marsch gesetzt. Heutzutage sitzen die Lahmen im Rollstuhl. Wo Gott sich aufhält, weiß niemand mehr.

Im Mittelalter hat die Weltlage die Not entfacht. Die Pfannen haben die Räucherkäulen nicht hergegeben. Im Kloster liegen die alten Urkunden vom Todeskampf. Die Weingärung hat eine lange Tradition im Landschaftsbild. Abgetrunkene Landsknechte suchten die Erlösung vom Leben. Der Rinderwahn ist keine Brauchtumstradition. Er ist eine Erfindung der Viehzuchtverbände. Früher war die gute alte Zeit. Ich komme nicht von der Altersherkunft.

Ich bin im neuen Millenium geboren.

Schon etwas angegraut, aber gut | Kanzler von Pierer saniert Deutschland

(Quelle: N24.de – werweisswass.de)

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Köstliche Satire aus dem Jahr 2004. Leicht aktualisierbar: Einfach statt 2010 2020 denken und statt v. Pierer – der ja wirklich nicht mehr herzeigbar und kanzlerabel ist – irgend einen anderen Wirtschaftsstar einsetzen. Ackermann, beispielsweise. Oder Mehdorn. Oder Reizle. Oder Wedeking. Oder Piech…


Ok, der Pierer-Heindl ist nicht mehr kanzlerabel – aber diese neoliberalen Wirtschaftsroboter sind eh austauschbar…

Übrigens: In diesem Interview gibt es sogar einen Sittirol-Bezug, obwohl Anton Adlers Satireblog als einziges Medium in Sittirol auch Texte ohne Sittirol-Bezug veröffentlicht – sie müssen nur gut sein!

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Deutschland im Jahre 2010, Bundeskanzler Pierer
“Sanierung mit mir nur streng martkwirtschaftlich!”

(Autor: Ε r і с D e j o n, Frage gestellt am Mi, 30. Jun 2004)

STERN sprach mit dem Bundeskanzler über seine Erfolge und künftigen Pläne.

STERN: Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Kritiker werfen Ihnen vor, sie seien bei der Sanierung Deutschlands übertrieben brutal vorgegangen.

v. Pierer: Das sehe ich nicht so. Als mich das überparteiliche Bündnis fragte, ob ich Kanzler werden möchte, um Deutschland vor dem Konkurs zu retten, habe ich gleich erklärt, dass ich das Land so sanieren werde wie ich Siemens saniert habe: streng marktwirtschaftlich. Siemens und Deutschland gleichen sich in gewisser Weise: zwei Gemischtwarenläden mit sehr unterschiedlichen Komponenten, die einen leistungsfähig, die anderen weniger. Ich habe nur das gemacht, was ich auch bei Siemens gemacht habe: unproduktive Unternehmensteile abgestoßen.

STERN: Sie sprechen von den neuen Bundesländern?!

v. Pierer: Nicht von allen. Thüringen und Sachsen haben sich ja als sanierungsfähig erwiesen, die haben wir behalten. Für Mecklenburg-Vorpommern konnten wir nichts mehr tun, Totalverlust. Da kam uns das Angebot der Bush-Administration ganz recht, gegen die Übernahme der Landesschulden und für den symbolischen Kaufpreis von 1 Euro das Land als Atomtestgelände zu kaufen.

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Eine Grundregel des Projektmanagements: Kollateralschaden mitberücksichtigen!


(Ernst Kahl, SPIEGEL online/SPAM)

Spießrutenlauf für Kunstfreunde | Seppi, überall Seppi!


Hier Donato Seppi…


… dort Donato Seppi …


… und schon wieder Donato Seppi!

Nimmt das denn nie ein Ende?

Nein!!!


Schon wieder der Seppi…

Du nix deutsch? Du nix Austria! | Fekter verlangt “arbeitsmarktfähige” Deutschkenntnisse

Österreich erweist sich immer mehr als Einwanderungsland, das sich seiner Verpflichtung zur internationalen Solidarität voll bewusst ist und das einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der Ungerechtigkeit in der Welt leisten will.

Die Türen und Tore für Menschen aus aller Welt werden auf Wunsch „der Wirtschaft“ immer weiter geöffnet – aber seit neuestem nur mehr, wenn die Einreisewilligen über „arbeitsmarktfähige“ Deutschkenntnisse verfügen (O-Ton Ministerin Fekter) und wenn sie die im „nationalen Aktionsplan“ (sprich: Migranten-Pflichtenheft) festgeschriebenen Pflichten und Auflagen erfüllen.


Innenministerin Maria Fekter geht mit gutem Beispiel voran. Hier prüft sie gerade, ob die Deutschkenntnisse eines Bewerbers “arbeitsmarktfähig” sind.

Ministerien planen Verschärfungen
Die nächsten Verschärfungen sind schon in Vorbereitung. Wie aus Wiener Ministerien durchsickert, sollen Immigrationswillige künftig verpflichtet werden, vor der Einreise

  • eine Lohnsteuervorauszahlung für ein Jahr zu leisten,
  • eine Verzichtserklärung für staatliche Gesundheitsleistungen und Sozialzuwendungen zu unterzeichnen,
  • ein Bankkonto mit einer Garantiesumme zu Gunsten der Republik Österreich in Höhe von 50.000 Euro einzurichten,
  • ein Leberkas-Verträglichkeitszertifikat vorzuweisen und
  • sich jederzeit bei Vorhandensein eines „arbeitsmarktfähigen“ Österreichers in Luft aufzulösen.

Die letztgenannte Verpflichtung ist noch einer genaueren Prüfung zu unterziehen, da der Terminus „sich in Luft auflösen“ zur Zeit juristisch nicht ausreichend genau definiert ist (im Gegensatz zur Auflösung im Säurebad) und eventuelle Normkollisionen mit den Bestimmungen des IG-L (Immissionschutzgesetz-Luft) nicht a priori ausgeschlossen werden können.

Noch unklar ist, was mit Österreichern geschieht, die über keine „arbeitsmarktfähigen“ Deutschkenntnisse verfügen. Ausweisen geht schon deshalb nicht, weil sie keiner haben will. Frau Minister Fekter wird sicher wieder ein „nationaler Aktionsplan“ einfallen – je nationaler, desto besser!

Ein paar Fragen bleiben offen
Noch ein paar Fragen, Frau Minister: Dürfen jetzt auch internationale Stars der Musikszene nicht mehr im Mutterland der Musik arbeiten, wenn sie über keine “arbeitsmarktfähigen” Deutschkenntnisse verfügen? Und was ist mit den Piloten all der großen Airlines aus aller Welt, die täglich nach Schwechat einfliegen? Müssen die jetzt schon in Bratislava runter? Muss Frank Stronach ausgewiesen werden? Darf Arnold Schwarzenegger nie mehr einreisen? Wo liegt die Deutsch-Schmerzgrenze bei Skifahrern und Fußballern?

Österreich schreit geradezu an allen Ecken und Enden nach “nationalen Aktion-ismu-splänen”.

“Der Näxschte!”, Teil oans | In åller Fria in Bozingtown…

„Der Näxschte!“.

Der Oberlatschrauner aus Hinteroberplanetsch, seit kurz nach drei Uhr morgens auf den Beinen, fasste seinen Hut fester und sich ein Herz und betrat das herrschaftliche Büro in Bozingtown.

„Woss gippsen, Oberlatschrauner aus Hinteroberplanetsch“, begrüßte ihn der korpulente Herr hinter dem großen Besprechungstisch: „hått die Bless net ordntlich gekelbert nåch’n Einweihungsfest von Zivilschutzzentrum in Mitteroberplanetsch, wo merr ins es leschte Mol gsechn hobn?“

„Nana, sell war schun gången“ antwortete der Oberlatschrauner und legte seine Stirn in Falten: „Ober der Pirgermoaschter måcht ins ålleweil Schwierikattn wegnen Bau von noidn Multifunktionsdingsdotralala! Dess hoaßt, i honnen iatz fertig gebaut und prauchat lei mehr die Baugenehmigung wegn di Beiträge.“

Der korpulente Herr nickte verständig und setzte sein berühmtes Grinsen auf, jenes vom Speck, bevor Speck draus wird. „Isch die Wellness-Anlåge zu groaß, ha?“ Der Oberlatschrauner kam zur Sache: „Jo woasch, der Freilaufbereich hett fir die Kia jo geglongg, ober…”

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Noch Satire? Schon Groteske? Erotika? | Auf jeden Fall hervorragend gemacht: Egon Rusinas phantatische Bilder


“A golden egg was laid in Val Gardena”


“Snow is a comodity”


“Cuciasl”


“Eguiabocia”

Mehr über und von Egon Moroder Rusina

Loriots Strauß-Bearbeitung der Sonderklasse


(anklicken, Strauß sehen, Loriots Bearbeitung anhören)

D’Judn san do! | Schluiferers Blick auf die Tarrola Wirtschaft und ihre Tücken um 1909

Der Schriftsteller Chamberlain hat es bewiesen, daß die Juden eine Pestbeule am Körper der europäischen Kultur sind.

Der tarrolischen Kultur wollen sie etwas Ähnliches werden.

In der großen Ansiedelung Innschbruckch hat es begonnen.

Dort wohnte der Schuster Anderl Vicheisen. Er arbeitete täglich zwei bis drei Stunden, die andere Zeit trank er und spielte Karten. Wenn er nach Hause kam, prügelte er Frau und Kinder, und jeden Sonntag ging er in die Kirche.

Eines Tages siedelte sich in seiner Nähe ein Europäer, oder besser gesagt, ein Orientale an, der auch Schuster war. Er hieß Uscher Wasserspeichel. Anfangs hungerte er mit seiner Familie, aber die Familie überwand diese Hungerperiode mit der Zähigkeit ihrer Rasse. Allmählich fand sich für Uscher Wasserspeichel Arbeit. Er arbeitete vom Morgen bis in die späte Nacht.

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Vor hundert Jahren | Simplicissimus vom 13. Dezember 1909

(anklicken um zu dieser Ausgabe des Simplicissimus zu gelangen. PDF)

Pröbstls Ductus


(anklicken, reinhören – Gottseidank ist das bei uns ganz anders!)

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